Am 19. Juni 2026 trafen sich die Mentees des rCMP RWI zu einem Workshop bei der Cargill Deutschland GmbH in Malchin. Unter dem Titel „Machtstrukturen in Unternehmen – Verstehen, einordnen, wirksam gestalten“ vermittelte Referentin Cindy Paarmann praxisnahe Einblicke in die oft unsichtbaren Mechanismen von Einfluss, Entscheidungsfindung und Karriereentwicklung in Unternehmen. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Macht weit mehr ist als eine formale Führungsposition. Macht bedeutet Einfluss, Zugang zu Informationen sowie die Möglichkeit, Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Wer Machtstrukturen erkennt und versteht, kann eigene Handlungsspielräume erweitern und gezielter nutzen.
Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen wurden formale und informelle Machtstrukturen im Unternehmensalltag sichtbar gemacht. Anhand konkreter Beispiele wurde diskutiert, wie Einfluss insbesondere an den Schnittstellen von Informationen, Abhängigkeiten und Entscheidungen entsteht. Dabei zeigte sich, dass Macht häufig dort wirkt, wo Prioritäten gesetzt, Projekte vergeben oder Entscheidungen vorbereitet werden – oftmals unabhängig von offiziellen Hierarchien.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, warum Frauen in den oberen Führungsebenen der Privatwirtschaft nach wie vor unterrepräsentiert sind. Die Referentin verdeutlichte, dass der sogenannte „Broken Rung“ – die erste Hürde auf dem Weg in Führungsverantwortung – häufig bereits frühzeitig Karrierewege beeinflusst. Die gläserne Decke entsteht vielfach nicht erst auf Vorstandsebene, sondern bereits beim ersten Schritt in eine Führungsposition.
Intensiv diskutiert wurden zudem die alltäglichen Erscheinungsformen von Macht: Wer wird zu informellen Gesprächen eingeladen? Wer erhält strategisch wichtige Projekte mit hoher Sichtbarkeit? Wer darf Konflikte deuten und Entscheidungen rahmen? Und wo entstehen verdeckte Barrieren durch Informationsvorenthaltung oder symbolische Unterstützung ohne tatsächliche Einflussmöglichkeiten?
Besonders eindrücklich war die Auseinandersetzung mit Beförderungsentscheidungen. Dabei wurde deutlich, dass Karriereentwicklung nicht allein auf bisheriger Leistung basiert. Während Performance die Vergangenheit bewertet, entscheidet Potenzial über zukünftige Entwicklungschancen. Macht zeigt sich somit auch darin, wem Wachstum, Verantwortung und der nächste Karriereschritt zugetraut werden.
Ein wichtiger Impuls des Workshops war die Bedeutung von Netzwerken. Die Teilnehmerinnen reflektierten, wie Frauennetzwerke gezielt als Ressource für Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung, Sponsoring und strukturelle Veränderungen genutzt werden können. Die zentrale Botschaft des Tages lautete: Es geht nicht nur um individuelles Vorankommen, sondern um die aktive Teilhabe an Entscheidungen, Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten in Unternehmen.
Organisiert wurde der Ort des Workshops von den Mentees Lisa Gerasch und Nicolle Schütz, die ihre Mentoring-Kolleginnen im Anschluss mit einer besonderen Gelegenheit überraschten: einer exklusiven Führung durch die Produktionsstätten von Cargill in Malchin. Mit spürbarem Stolz gewährten sie spannende Einblicke in die Abläufe und Strukturen eines international agierenden Unternehmens. Sie erhielten dabei einen praxisnahen Eindruck von den Produktionsprozessen, den Unternehmensabläufen sowie den vielfältigen Aufgabenbereichen am Standort. Der offene Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort rundete den erfolgreichen Veranstaltungstag ab und bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für fachliche Gespräche, neue Perspektiven und die weitere Vernetzung innerhalb des Programms.

