Wissen ist in Unternehmen überall vorhanden: in Köpfen, Erfahrungen, Fehlern, Bauchgefühlen. Und trotzdem wird es erstaunlich oft zurückgehalten. Nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aus Unsicherheit. Angst, Bewertung oder fehlender Raum für echte Verbindung blockieren oft den Austausch.
Viele Menschen fragen sich meist unbewusst:
Werde ich ernst genommen? Mache ich mich angreifbar? Darf ich etwas nicht wissen? Darf ich einen Fehler zugeben?
Solange diese Fragen im Raum stehen, bleibt Wissen geschützt statt geteilt.
Als Emotionscoachin erlebe ich in Organisationen immer wieder: Wissensaustausch ist nicht immer nur ein reines Prozessproblem. Es ist vielmehr ein Beziehungsthema. Menschen teilen ihr Wissen dann, wenn sie sich sicher, gesehen und wertgeschätzt fühlen.
Was eine gesunde funktionierende Wissenskultur braucht, sind deshalb nicht vorrangig noch mehr Tools, Prozesse oder Plattformen, sondern drei emotionale Rahmenbedingungen als stabiles Fundament:
- Psychologische Sicherheit
Ich darf Fragen stellen, ohne mich zu blamieren. Ich darf Unsicherheit zeigen, ohne bewertet zu werden. - Zugehörigkeit und Anerkennung
Ich spüre: Meine Perspektive zählt. Meine Erfahrung ist relevant. - Selbstwirksamkeit
Ich erlebe: Mein Beitrag macht einen Unterschied.
Erst wenn diese drei Faktoren erfüllt sind, entstehen Räume, in denen Wissen freiwillig und vertrauensvoll geteilt wird.
Sie möchten den Wissensaustausch in Ihrem Team stärken?
Beginnen Sie nicht mit dem nächsten Tool. Beginnen Sie damit, in Verbindung zu gehen, echtes Interesse zu zeigen, offen zu kommunizieren und vor allem zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionen als wesentlichen Teil des Unternehmenserfolgs zu sehen. Nicht nur im Wissensmanagement.
Drei konkrete Impulse für den Führungsalltag
- Fragen vor Lösungen
Beginnen Sie Meetings statt mit „Wer hat ein Update?“ lieber mit „Wo braucht es Unterstützung oder Feedback?“, „Welche Entscheidung fühlt sich noch unklar an?“
Updates zeigen Leistung. Offene Fragen zeigen Vertrauen. Wenn Menschen Unsicherheiten ansprechen dürfen, entsteht psychologische Sicherheit und Wissen beginnt zu fließen. - Fehler als Lernmomente sichtbar machen
Teilen Sie als Führungskraft bewusst eigene Lern- oder Fehlermomente.
Wer erlebt, dass Fehler nicht sanktioniert, sondern reflektiert werden, traut sich eher, Erfahrungen und Wissen offen einzubringen. - Emotionen ansprechbar machen
Fragen Sie regelmäßig: „Was beschäftigt dich gerade?“ oder „Was brauchst du, um dich wohlzufühlen und gut arbeiten zu können?“ Wer sich gesehen und ernst genommen fühlt, teilt nicht nur Informationen, sondern auch Ideen, Erfahrungen und Verantwortung.
Mein persönlicher Expertinnen-Tipp
Wissen teilen heißt Verbindung schaffen und in Beziehung gehen. Und Beziehung entsteht dort, wo Menschen sich sicher fühlen und nicht nur eine Funktion haben, sondern auch Mensch sein dürfen.
Schaffen Sie diesen Raum aus Sicherheit, Anerkennung und Verbundenheit.
Der Rest folgt fast von allein.
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Dipl. Päd. Agnieszka Lieser
Business- & Emotionscoachin
Expertin für Resilienz und authentische (Selbst-) Führung

