Abschlussveranstaltung 2017

„Mehr Ich, mehr Frau, mehr Führungskraft“

Abschlussveranstaltung des dritten Landesprogramms „Zukunft durch Aufstieg“.

70 weibliche Nachwuchsführungskräfte des Landes, die von Mentorinnen und Mentoren für 24 Monate begleitet wurden, erhielten von Gleichstellungsministerin Stefanie Drese ihre Teilnehmer-Zertifikate zum Abschluss des dritten Landesprogramms „Zukunft durch Aufstieg“.

„Frauen in Führungspositionen sind noch immer weit unterrepräsentiert. So sind von insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen im Dax, MDax, SDax sowie TecDax nur 46 weiblich“, sagte Drese als Schirmherrin des Mentoring-Projekts auf der Abschlussveranstaltung im Goldenen Saal in Schwerin.

Die Ministerin verdeutlichte ihr Ziel, Frauen besser zu unterstützen, eine leitende Funktion zu übernehmen. „Das Mentoring-Programm des Landes ist dafür eine geeignete Maßnahme. Unsere Erfahrungen zeigen, dadurch werden motivierte und leistungsfähige Frauen optimal auf eine Leitungsposition vorbereitet und in ihrer Rolle als Nachwuchsführungsperson gestärkt“, so Drese.

Die Förderung qualifizierter Führungskräfte und eine gleichstellungsorientierte Personalpolitik liegen nach Ansicht Dreses auch im Interesse der Unternehmen.

„Das größte Potenzial liegt nach meiner festen Überzeugung bei den Frauen“, betonte die Ministerin. Sie sind hervorragend ausgebildet und qualifiziert, leistungsfähig und motiviert, tauchen jedoch in unserem Bundesland zu selten in der oberen Führungsebene auf.“

Drese: „Ich bin mir sicher, dass spätestens angesichts des drohenden Fach- und Führungskräftemangels das Mentoring-Programm noch weiter an Bedeutung gewinnt und zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern wird.“

Die Ministerin bedankte sich bei den Unternehmen, die sich bereits am landesweiten Mentoring-Programm „Zukunft durch Aufstieg“ beteiligen und sich damit als moderner und attraktiver Arbeitgeber präsentieren. „Sie setzen damit gegenüber ihren weiblichen Fach- und Führungskräften ein wertschätzendes und nachhaltiges Zeichen“, sagte Drese.

Projektleiterin Renate Heusch-Lahl resümierte: „Ich habe gelernt: Trotz aller Vielfalt, die Fragen unserer Teilnehmerinnen sind die gleichen: Selbstbewusster werden, Konflikte aushalten, Ziele formulieren.“ Zudem sei eine breite Diskussion mit Unternehmen zum Thema Führung notwendig. „Moderner Führungsstil heißt Ressourcen erkennen und Spaß bei der Arbeit. Oder wie es Prof. Hans Lercher von der FH Graz formuliert: „Früher ging es darum, möglichst wenige Fehler zu machen. Heute gewinnen die Manager, die die besten Ideen haben oder sie zumindest zulassen und fördern.“ Lebenslanges Lernen höre nie auf: Auch gestandene Führungsfrauen brauchen Reflexion. Sie appelliert daran, sich an den sechs Faktoren für die Zufriedenheit im Job (Arbeitsmedizinerin Prof. Steffi Riedel-Heller, Uni Leipzig) zu orientieren: Anerkennung, Handlungsspielraum, Gemeinschaftsgefühl, Gerechtigkeit, Werte, Arbeitsbelastung.

Im anschließenden Talk stand das Dreieck Mentorin (Marjon Hopman-Wolthuis), Mentee (Christine Hensel) und Chef (Kevin Friedersdorf) sowie Prof. Dagmar Braun Rede und Antwort. Prof. Dagmar Braun ist eine deutsche Unternehmerin, Ärztin und Hochschullehrerin und lebt in Greifswald. Von 2001 bis Ende 2008 übernahm sie als Vorstand Forschung & Entwicklung und später auch als Vorstand für Materialwirtschaft eine Schlüsselposition bei der Riemser Arzneimittel AG , die sie zusammen mit ihrem Mann Norbert Braun aufgebaut hat. „Geprägt hat mich 1995 mein Scheitern bei zwei Bewerbungen um Hochschul-Professuren - gegen Männer, von denen dann jeweils einer berufen wurde. Die Gründe dafür lagen auf der Hand: mein fehlendes Netzwerk und kaum Publikationen, da ich durch Kindererziehung weniger Zeit hatte.
Auch bei der Bewerbung um Abteilungsleitung in der Berufsschule im gleichen Jahr, in der ich lange Jahre tätig war, bin ich gescheitert. Befördert wurde ein älterer Kollege. Ich denke, es lag daran, dass er ein „Männer-Netzwerk" hatte.
Im gleichen Jahr schlug mir mein Mann vor: "Komm Vollzeit mit in meine Firma". Das war die entscheidende Wende für mich und die beste berufliche Entscheidung meines Lebens“, erzählte die 60-Jährige. Im Rückblick stellte sie fest: „Ich bin viele Dinge einfach pragmatischer angegangen - ich habe mir meinen Weg selbst erarbeitet, weniger Bezug auf Theorien. Ich habe immer primär versucht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen - das war mir für viele Jahre genug. Bezüglich Karriere-Planung war ich naiv und situativ geprägt, da habe ich strategische Fehler gemacht.“ Frauen, die am Beginn des Berufslebens stehen, empfahl sie: „Mein Tipp ist klar: Planen Sie strategisch Ihre Karriere und die Elternzeit! Denken Sie langfristig und bauen Sie Netzwerke auf!“

Die Mentorin Marjon-Hopman Wolthuis: betonte: “Beim Programm „Zukunft durch Aufstieg“ finde ich den Austausch untereinander sehr wertvoll. Wir können uns praktische Tipps geben. Führung lernt man aus Erfahrungen und nicht nur aus dem Lehrbuch. Wenn alles laut dem Lehrbuch läuft, wäre Führung viel einfacher. Aber gerade bei all den täglichen schwierigen Situationen ist Führung gefragt. Man muss ständig improvisieren können. Und dafür ist der praktische Austausch so wichtig. Wir setzen im Hotel jetzt mehr auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter und stellen unser Personalkonzept um“, so die Geschäftsführerin Schloss Basthorst .

Die Mentee Christine Hensel sagte: „Wir haben gemeinsam unsere Rollenmodelle reflektiert. Was ist mir wichtig im Beruf, als Mutter, als Ehefrau. Was macht mich stärker und was raubt mir Energie. Eine Vielzahl von Frauen jammern über Arbeitsbelastung, das Pensum im Alltag und diverse Herausforderungen denen sich alle in größerem oder kleinerem Grad stellen müssen. Eins ist klar – es bringt uns nicht voran. Im Gegenteil – es infiziert nur noch mehrere mit zu jammern. Damit muss mal Schluss sein. Jeder hat sich, abgesehen von Schicksalsschlägen, seine Situation so ausgesucht und sollte täglich das Beste daraus machen. Ich habe in den letzten Monaten gelernt, dass sich für mich das Modell Führung geändert hat. Mit flachen Hierarchien steigt die Eigenverantwortung – man muss nicht an der Spitze sitzen, um zu führen“, so die Mitarbeiterin von Mandarin Medien.

Kevin Friedersdorf unterstrich: „Die Zeiten sind so gut wie nie. Wir haben es in der Hand, unsere Arbeit zu flexibilisieren. Reduzierte Arbeitszeiten, Home Office – all dies ist Gegenwart. Wir setzen im Unternehmen auf mehr Zufriedenheit der Mitarbeiter durch diese Freiheiten. Wir stricken den Job um die Person – nach den Fähigkeiten und persönlichen Idealen. Mitarbeitergespräche finden zweimal im Jahr statt – einmal ist einfach zu wenig“, erläuterte der Geschäftsführer von Mandarin Medien

Einhellig war man der Meinung, dass das Programm „Zukunft durch Aufstieg“ eine Fortsetzung finden sollte. Christine Hensel brachte den Mehrwert des Programms abschließend auf den Punkt: „Mehr Ich, mehr Frau, mehr Führungskraft“.

 

Die eigene Rolle bewusst einnehmen

Sich den täglichen beruflichen Herausforderungen zu stellen, bedeutet komplexen Rollenanforderungen in Form von Verhaltenserwartungen gegenüber zu stehen.

Berufliche Verhaltenserwartungen werden seitens des Unternehmens basierend auf der Unternehmensphilosophie, Strukturen, Strategien und Aufgaben gestellt.

Die Annahme der Rollen wird wiederum neben fachlicher und persönlicher Qualifikation durch Motivationen, Ziele, Persönlichkeitseigenschaften, Erfahrungen und Urteile bestimmt.

In modernen Organisationen werden Rollen zunehmend gemeinsam von Rollenzuweisern und Rollenträgern gestaltet und permanent weiterentwickelt.

Darin liegen einerseits große Chancen für Gestaltungsmöglichkeiten in Ihrem Arbeitsumfeld sowie für ihren persönlichen Erfolg. Andererseits können ungeklärte bzw. inkongruente Rollenerwartungen große Hemmnisse darstellen. Auch wenn Rollen nicht klar voneinander getrennt werden -z.B. Rolle der netten Kollegin bei Übernahme eine Führungsposition im gleichen Team- führt dies zu deutlichen Wirksamkeitsverlusten.

Stellen sich trotz hoher fachlicher Qualifikation und Motivation Unzufriedenheit oder Misserfolge ein, führt dies u.U. zu Enttäuschung über fehlende Anerkennung und Schuldzuweisungen gegenüber anderen.

Nehmen Sie sich in einer solchen Situation Zeit. Versuchen Sie sich auch körperlich zu entspannen und in gutem Bodenkontakt zu sein.

  1. Stellen Sie vor, Sie wären eine Luftballonverkäuferin. Jeder Luftballon steht für eine Rolle.
  2. Seien Sie kreativ in der Bezeichnung der Rollen.
    Z.B. Projektleiterin, Qualitätsmanagerin, Teamleiterin , Koordinatorin, Brandlöscherin, Kümmerin, Problemlöserin, perfekte Frau in der 2. Reihe, Lokomotive, Seele der Firma, …
  3. Überlegen Sie, ob Sie angesichts Ihrer Rollen selten, manchmal oder sehr oft zwischen zwei Stühlen sitzen.
  4. Wenn ja: Wie erklären Sie sich das und welche Möglichkeit sehen Sie diesen Konflikt angesichts Ihrer Rollen zu lösen?
  5. Treffen Sie eine Entscheidung bezüglich notwendiger Schritte und Kommunikationswege.
  6. Machen Sie den ersten Schritt innerhalb von 3 Tagen. Überprüfen Sie das Ergebnis.

 

Dr. Ines Prüfer
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